Erzählen willst du, was gestern war, und sagst: "Ich habe nach Hause gegangen." Verstanden wird das, aber richtig ist "Ich bin nach Hause gegangen". Fast jeder baut diesen Satz am Anfang mit "haben".
Das Problem ist nicht das Partizip, das sitzt schon. Es ist das Hilfsverb davor. Und dafür gibt es eine Faustregel, mit der du fast immer richtig liegst.
Bewegung und Veränderung nehmen "sein"
Frag dich bei jedem Verb eine Sache: Bewegt sich da jemand von A nach B, oder verändert sich ein Zustand? Wenn ja, nimmst du "sein".
Bewegung von einem Ort zum anderen nimmt "sein": Ich bin nach Hause gegangen, wir sind nach Berlin geflogen, sie ist zur Arbeit gefahren. Ein Zustand, der sich ändert, ebenso: Ich bin um sechs aufgewacht, die Blume ist gewachsen. Alles andere nimmt "haben". Essen, arbeiten, lesen, kaufen, schlafen als Zustand ohne Wechsel. Wenn nichts sich bewegt und kein Zustand kippt, ist "haben" deine sichere Wahl.
Warum das mehr als eine Liste ist
Du musst dir nicht hunderte Verben einzeln merken. Hinter "sein" steckt immer dieselbe Idee: Etwas ist nicht mehr da, wo es war, oder nicht mehr so, wie es war. "Gehen" bringt dich an einen neuen Ort. "Aufwachen" bringt dich in einen neuen Zustand. Sobald du diese Idee hörst, brauchst du die Liste nicht mehr, sondern fragst nur: Ortswechsel oder Zustandswechsel? Dann kommt "sein".
Ein paar Verben musst du trotzdem auswendig lernen, weil sie sich der Logik entziehen. "Bleiben" beschreibt keine Bewegung, nimmt aber "sein": "Ich bin zu Hause geblieben." Genauso "sein" selbst und "passieren": "Was ist passiert?" Das sind nur eine Handvoll, die schreibst du dir einmal auf.
Die typische Falle
Der häufigste Fehler ist genau der vom Anfang: "haben" bei Bewegungsverben, weil die Muttersprache es so macht. Im Englischen heißt es immer "I have gone, I have driven". Diesen Reflex musst du im Deutschen abschalten und bei jedem Bewegungsverb kurz auf "bin" umschalten.
Eine zweite Falle sind die reflexiven Verben. Die nehmen immer "haben", auch wenn eine Bewegung drinsteckt. Es heißt "ich habe mich gesetzt", nicht "ich bin gesessen". "Ich habe mich hingelegt", nicht "ich bin gelegen". Sobald ein "sich" im Spiel ist, nimmst du "haben", ohne nachzudenken.
Dein Tipp für den Alltag
Leg dir drei feste Sätze zurecht, die du nie wieder vergisst: "Ich bin gegangen", "ich bin aufgewacht", "ich habe gegessen". Bist du bei einem neuen Verb unsicher, vergleichst du es mit diesen drei. Bewegung wie gehen, Veränderung wie aufwachen, oder weder noch wie essen? Diese eine Frage entscheidet das Hilfsverb.
Welches Verb welches Hilfsverb nimmt und wie du sie konjugierst, findest du auf der Seite zum Perfekt. Eine Übersicht über die Formen von "sein" und "haben" gibt es bei den Hilfsverben.
Mehr dazu: Perfekt · Hilfsverben